Obdachlos und fern der Heimat

Der Tod des Obdachlosen aus Sollér hat auch die Mitarbeiter des Konsulats bestürzt. Zwar zählte der Betreffende nicht zu unserer „Kundschaft“ – er scheint tatsächlich nie bei uns vorgesprochen zu haben – aber wir kennen genug ähnliche Fälle und hoffen, daß sie besser ausgehen als dieser.

Die Wirtschaftskrise wirkt sich gerade auch auf die Obdachlosen schlimm aus. In Zeiten, als das Geld bei Einheimischen und Touristen noch lockerer saß, konnte man vielleicht durch Betteln vor dem Supermarkt oder in der Fußgängerzone so viel einnehmen, daß man gerade so über die Runden kam. Die paar Euro, die am Ende des Tages im Hut waren, reichten für Essen und leider wohl auch oft für den Alkohol, der für viele Obdachlose das einzige Mittel zu sein scheint, mit der an sich unerträglichen Situation überhaupt irgendwie klarzukommen.

Jetzt halten alle ihr Geld stärker zusammen, es fällt nichts mehr so einfach ab. Dazu war dieser Winter wieder einmal ziemlich feuchtkalt – schlechte Voraussetzungen für ein Leben auf der Straße. Wenn ein Körper durch Mangelernährung, Alkohol und Schmutz schon nachhaltig geschwächt ist, hält er einer schweren Infektion eben irgendwann einfach nicht mehr stand. Exitus. Ende eines Lebens.

Uns erreicht oft die Frage, ob denn das Konsulat nicht irgendwie helfen kann und müßte.

Wenn sich jemand an uns wendet, der auf der Insel aus verschiedensten Gründen nicht mehr klarkommt, werden wir immer versuchen, die im Einzelfall beste Lösung herauszufinden. In der Vergangenheit ist es schon oft gelungen, einen obdachlosen Deutschen doch seiner Familie in der Heimat wieder so näherzubringen, daß sie für die Heimreise aufkommt und ihm zuhause hilft, erneut irgendwie Fuß zu fassen. Die deutschen Sozialbehörden und Hilfsinstitutionen, angefangen von der Flughafen- und Bahnhofsmission, die eine erste Unterkunft bietet, über das Raphaelswerk bis hin zu Sozialämtern, helfen nüchtern und ziemlich effizient – wenn man sich denn helfen läßt.

Viele obdachlose Hilfesuchende wollen allerdings alles, nur nicht zurück nach Deutschland. Die Gründe sind vielschichtig – es gibt niemanden mehr daheim, oder man hat sich mit allen auf ewig zerstritten, man hat noch Schulden oder sonst ein schlagendes Argument, warum man lieber auf der Insel bleiben möchte. In dem Fall können wir wenig mehr tun, als den Hilfesuchenden zu empfehlen, Kontakt zu den spanischen Sozialbehörden aufzunehmen, und ihnen den Weg in’s Obdachlosenasyl zu erklären. Geld zum Lebensunterhalt auf Mallorca können wir nicht verteilen – sollte bei einzelnen Obdachlosen diese Erwartung bestanden haben, müssen wir sie enttäuschen. Das Konsulat ist kein Sozialamt im Ausland. Zuständig sind die mallorquiner Sozialbehörden. Diese tun sich mittlerweile aber auch schwer, jedem Hilfesuchenden umfassend zu helfen – gerade im Gesundheitsbereich wird auch aus Kostengründen bisweilen nur noch erste Hilfe geleistet.

Viele mildtätige Organisationen und auch Privatpersonen bemühen sich, hier einzuspringen und im Zusammenwirken mit den spanischen Sozialbehörden für die Obdachlosen der Insel irgendeine grundsätzliche Perspektive zu schaffen. Leider stellen auch sie oft fest, daß sich nur dann etwas erreichen läßt, wenn der Obdachlose nicht nur einmalig materielle Hilfe annimmt, sondern selbst aktiv über einen längeren Zeitraum an der Verbesserung seiner gesamten Lebenssituation mitwirkt. Das fällt vielen Betroffenen aber unendlich schwer und mag ein tieferer Grund für ihre Lebensmisere sein.

Damit es im Einzelfall nicht so weit kommt, muß jeder selbst vorsorgen. Das Konsulat bietet auf seiner Seite
http://www.spanien.diplo.de/Vertretung/spanien/de/05-palma/buergerservice/seite-leben-und-arbeiten-auf-mallorca.html
nützliche Hinweise zu Leben und Arbeiten in Spanien – es fehlen auch nicht Merkblätter für den Fall, daß die persönliche Situation einmal schwieriger wird. Vielleicht nehmen Sie sich die Zeit und lesen sie einmal in Ruhe durch.

Es grüßt Sie
Ihr Deutsches Konsulat

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05 2013

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