Archivo de Januar, 2013

Bayreuth am Ballermann

In diesem Jahr begeht die kulturinteressierte Welt den 200. Geburtstag zweier großer Komponisten: sowohl Giuseppe Verdi als auch Richard Wagner wurden im Jahr 1813 geboren. Dabei können wir nicht umhin, unsere italienischen Kollegen ein wenig zu beneiden. Wenn die auch nur einen mittelmäßigen Tenor auf die Bühne stellen, der zur Freude des Publikums „La donna è mobile“ schmettert, und nachher alle zusammen den Gefangenenchor aus „Nabucco“ summen lassen, ist der Erfolg der Veranstaltung schon garantiert. Italienische Oper geht halt immer.

Aber was machen wir mit dem Gesamtkunstwerker aus Leipzig? Das ist schwierig. Sein vielleicht populärstes Werk, der Walkürenritt aus dem gleichnamigen 2. Teil seines insgesamt 16 Stunden langen „Ring der Nibelungen“ verlangt beispielsweise den Einsatz einer ganzen Armee von Blechbläsern und Harfenistinnen – wenig wahrscheinlich, daß wir die auf der Insel zusammenbringen können. Und dann ist es ja auch und vor allem eine Frage des Geldes. Allein die reguläre Miete eines kleineren Saals in Palma de Mallorca verschlingt mehr davon, als das Konsulat in einem ganzen Jahr für Kulturprojekte ausgeben darf. Dabei sei einmal mit einem verbreiteten Irrtum aufgeräumt: die klassische Kultur –also Oper, Lied, Symphonik, Theater- kommt im Vergleich meist erheblich preiswerter als das Gastspiel eines Pop- oder Rockkünstlers. Selbst wenn der ohne Gage auftritt (warum sollte er eigentlich? Er lebt ja von dem, was er tut …), kostet schon die Miete der Tonanlage regelmäßig soviel wie ein sehr guter Mittelklassewagen – dafür kann man viele Liederabende veranstalten.

Also, was nun? Seufzen wir ein wenig und lassen Richard Wagners Geburtstag und alle anderen Anlässe ungefeiert?

Nein! Das Konsulat handelt nach der Devise: „Wir haben kein Geld und machen was draus“. Wir prüfen immer, was wir denn mit örtlichen Partnern so auf die Beine stellen können, und wir sind sehr froh und dankbar, daß uns so viele ganz unterschiedliche Institutionen und Veranstalter verbunden sind. Ein schöner Saal, eine interessierte Zuhörerschaft, ein attraktives Rahmenprogramm: das läßt sich oft irgendwie organisieren, auch weil viele kulturell Tätige immerhin nicht ausschließlich ihren Verdienst im Auge haben (das gilt glücklicherweise für klassische und zeitgenössische Künstler gleichermaßen!) und möglicherweise findet sich dann doch irgendein Sponsor, oder das Auswärtige Amt in Berlin läßt sich schließlich erweichen und schießt ein bißchen was zu.

Damit das aber letztlich ein Erfolg wird und wiederholt oder entwickelt werden kann, sind wir, Sie ahnen es schon, ja, wir sind genau auf Sie angewiesen, die Sie jetzt hoffentlich ein wenig schmunzelnd diese kleine Plauderei lesen. Ohne Publikum hat das nämlich alles wenig Sinn. Der Künstler sagt zwar mit einem Blick über die leeren Reihen tapfer: „Ich spiele auch, wenn da nur einer sitzt!“, aber das ist ja nicht der Sinn der Sache. Und es kann auch im Gegenteil nicht darum gehen, nur immer das anzubieten, was garantiert ein populärer Erfolg wird: das können wir getrost professionellen Konzertagenturen überlassen. Wir laden vielmehr herzlich ein, sich auf unsere sehr unterschiedlichen Veranstaltungen im wahrsten Sinne des Wortes einzulassen. Vielleicht gefällt Ihnen ja, was Sie sehen und hören, oder Sie lernen etwas Neues kennen. Und dann kommen Sie wieder. Oder, noch besser, Sie erzählen Ihren Freunden davon. Und kommen zusammen mit ihnen zu einem Konzert, einer Lesung, einer Vernissage. Wir haben in diesem Jahr ein hochinteressantes, sich ständig erweiterndes Angebot! Damit Sie sich das nicht mühsam aus den Zeitungen zusammensuchen müssen, können Sie ab sofort unter www.palma.diplo.de auf unserer Internetseite einen Veranstaltungskalender aufrufen. Dort finden Sie eigene Veranstaltungen des Konsulats und solche, die in vielfältiger Weise von uns finanziell, ideell oder durch Mitwirkung unterstützt werden. Lassen Sie sich davon inspirieren. Wir freuen uns auf Sie!

Es grüßt
Ihr Deutsches Konsulat

P.S. Also kein Bayreuth am Ballermann? Doch. Natürlich begehen wir Wagners Geburtstag. Am 6. April werden auf dem Grünen Hügel der Kulturfinca Son Baulò einige seiner Werke in der zusammenfassenden Bearbeitung von Franz Liszt und Hugo Wolf am Klavier erklingen – schauen Sie mal hier: http://www.son-baulo.com/events/Son%20Baulo%20Programm%20201303.pdf. Wagner in Essenz, sozusagen, alles, worauf es ankommt, schön gespielt und –dafür sind wir schließlich Deutsche und werden gern etwas grundsätzlich- nebenbei kurzweilig erklärt. Karten für die Wagner-Festspiele in Bayreuth sind schwerer zu bekommen, erheblich teurer und ob Sie sich da so gut unterhalten würden wie bei uns … Und weil wir gerne mit unseren italienischen Freunden feiern, erklingt neben der Meistersinger- und der Walkürenparaphrase die „Rigoletto-Paraphrase“. So kommen Sie dann doch noch zu „La donna è mobile“!

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01 2013

Schule hat begonnen

Seit heute müssen nach den Weihnachtsferien auch die meisten spanischen Kinder wieder die Schulbank drücken. Und wie ist es mit den „deutschen Schulen“ auf Mallorca? Was ist überhaupt eine „deutsche Schule“ im Ausland?

In Spanien gibt es sieben Deutsche Auslandsschulen, die als Begegnungsschulen zum deutschen Abitur führen: in Barcelona, Bilbao, Madrid, in der Provinz Málaga, in Las Palmas de Gran Canaria, Santa Cruz de Tenerife und Valencia. Zwei weitere Auslandsschulen in San Sebastián und Sevilla sind in das spanische System integriert. Sie bieten das Bachillerato sowie das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz (KMK) an.

Die Kultusministerkonferenz ist ein regelmäßig tagender Zusammenschluss der Kultusminister der deutschen Bundesländer und ist u.a. für Fragen des deutschen Auslandsschulwesens zuständig.

Nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 24.05.1991 können deutsche Schulen im Ausland mit aufsteigenden Jahrgangsstufen bis zur deutschen allgemeinen Hochschulreife unter bestimmten Umständen als Deutsche Auslandsschule, die zur allgemeinen deutschen Hochschulreife führt, anerkannt werden. Mit der Anerkennung erhalten sie das Recht, Zeugnisse zu erteilen, die die gleiche Berechtigung verleihen wie die öffentlicher Schulen in der Bundesrepublik Deutschland.

Erste und wichtigste Voraussetzung für eine Anerkennung ist ein kulturpolitisches oder sonstiges öffentliches Interesse der Bundesrepublik Deutschland an der Schule. Daneben spielen die Bildungsziele, Unterrichtsaufbau und Lehrpläne, die Trägerschaft und die finanziellen und strukturellen Gegebenheiten eine Rolle. Außerdem muss eine zur Erfüllung ihrer Aufgaben ausreichende Zahl amtlich vermittelter deutscher Lehrkräfte mit entsprechender Lehrbefähigung beschäftigt werden.

Unter der Fachaufsicht des Auswärtigen Amts fördert und berät die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) die Deutschen Auslandsschulen und führt darüber hinaus im staatlichen Schulwesen von Partnerstaaten Lehrerentsendeprogramme mit Unterstützung ihrer Fachberater und Koordinatoren durch. Weltweit werden ca. 1000 Schulen, darunter 140 Deutsche Auslandsschulen, die überwiegend in privater Trägerschaft geführt werden, personell und finanziell gefördert. Mehr hierzu können Sie hier: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/KulturDialog/SchulenJugend/Auslandsschulen_node.html erfahren.

Darüber hinaus gibt es die Partnerschulinitiative „PASCH“, mit der ein weltumspannendes Netz von Schulen aufgebaut wird. Schülerinnen und Schülern an diesen Schulen wird nicht nur ein Zugang zur deutschen Sprache und Bildung ermöglicht. Mit dieser außenkulturpolitischen Initiative soll bei jungen Menschen nachhaltiges Interesse für das moderne Deutschland und die deutsche Sprache geweckt werden – insbesondere in den Schwerpunktregionen Asien, Naher und Mittlerer Osten sowie in Mittel- und Osteuropa.

Die Partnerschulinitiative (PASCH) wird vom Auswärtigen Amt koordiniert und gemeinsam mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, dem Goethe-Institut, dem Pädagogischen Austauschdienst der KMK und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst umgesetzt. Mehr Infos dazu gibt es hier: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/KulturDialog/SchulenJugend/PASCH/Uebersicht_node.html.

Dieses zugegebenermaßen etwas komplizierte System ist weltweit gültig.

Und wie sieht es auf Mallorca nun praktisch aus?

Die bisher einzige von der KMK anerkannte Deutsche Schule auf der Insel ist die Eurocampus Deutsche Schule (www.dsmallorca.de).

Es handelt sich hierbei aus Sicht der KMK um eine der „Auslandsschulen, die die Abschlussprüfung im Sekundarbereich I durchführen (nur Schulen bis Klasse 10)“.

Mit dem Bestehen der Abschlussprüfung können die folgenden Abschlüsse bzw. Berechtigungen erworben werden:

– Hauptschulabschluss am Ende der Jahrgangsstufe 9
– Realschulabschluss am Ende der Jahrgangsstufe 10
– Berechtigung zum Übergang in die gymnasiale Oberstufe am Ende der Jahrgangsstufe 10.

Seit Juni 2010 ist der Eurocampus Deutsche Schule als einzige Schule auf den Balearen zudem Mitglied bei „PASCH“.

Bislang führt die Schule also bis zur Klasse 10. Im Schuljahr 2008/2009 erteilte die KMK dem Eurocampus Deutsche Schule erstmalig die Erlaubnis, an der damals ganz neu konzipierten Abschlussprüfung der 10. Klasse für Auslandsschulen teilzunehmen. Die Abschlussprüfung findet dabei hier in Palma de Mallorca durch den Prüfungsbeauftragten der Deutschen Schule Barcelona statt.

Die Schule verfügt über die erforderliche lokale spanische Anerkennung und strebt den Aufbau einer gymnasialen Oberstufe mit dem Ziel der allgemeinen Hochschulreife sowie die Anerkennung als „Deutsche Auslandsschule“ an.

Initiativen zur Gründung weiterer deutscher Schulen auf Mallorca hat es immer wieder gegeben. Ihnen allen gemeinsam war, dass die spanischen Behörden eine Betriebsgenehmigung nicht erteilen konnten – denn Voraussetzung dafür ist nun einmal die KMK-Anerkennung, s.o., und die fehlte, soweit dem Konsulat bekannt, bei jeder dieser Schulen. Inwieweit sich das in Zukunft ändert, bleibt abzuwarten.

Es grüßt Sie
Ihr Deutsches Konsulat

07

01 2013