Archivo de Juli, 2012

Überraschungsbaby

Vielleicht haben Sie auch schon einmal davon gehört, dass Frauen plötzlich überraschend ein Baby zur Welt bringen. Ein Fachausdruck lautet „Schwangerschaftsverdrängung“. Das Phänomen ist gar nicht so selten (es kommt auf rund 475 Geburten einmal vor, dass die Schwangerschaft erst ab der 20. Woche bekannt wird) und besteht darin, dass „die Tatsache der Schwangerschaft nicht das Bewusstsein der Schwangeren erreicht“. Das kann so weit führen, dass eine Frau wirklich ahnungslos mit „Bauchschmerzen“ ins Krankenhaus geht und mit einem Baby nach Hause (das passiert ungefähr einmal auf 2.500 Geburten).

Kannten wir die Fälle bisher nur vom Hörensagen, wurde das Konsulat nun tatsächlich mit einem solchen „Überraschungsbaby“ konfrontiert. Eine Familie – Vater, Mutter, minderjährige Tochter und deren etwas jüngerer Bruder – macht Urlaub auf Mallorca und meldet sich bei uns mit der Nachricht, die Tochter habe plötzlich ein Baby bekommen, was denn nun zu machen sei.

Da waren wir auch erstmal perplex. Die fast reflexhafte Frage, in welcher Schwangerschaftswoche das Kleine denn das Licht der Welt erblickt habe, konnte man uns natürlich nicht beantworten – aber Mutter und Kind seien wohlauf, und die Familie würde eigentlich gerne wie geplant in der kommenden Woche ihre Rückreise nach Deutschland antreten. Wie das Baby denn an einen Pass komme?

Das wichtigste ist erstmal eine Geburtsurkunde, die man vom hiesigen spanischen Standesamt bekommt. Als Urlauberfamilie kennt man gemeinhin diese ganzen Gepflogenheiten am Urlaubsort nicht, und meistens verfügt man auch nicht über die dafür erforderlichen Sprachkenntnisse. Viele sprechen auf der Insel deutsch – beim Standesamt muss man das nun nicht gerade erwarten. Also hilft das Konsulat in Zusammenarbeit mit dem Reiseveranstalter der Familie bei diesen Formalitäten und springt fernmündlich auch ausnahmsweise als Sprachmittler ein.

Für den Pass selbst stellt sich dann wie immer im Verwaltungswesen zuerst die Frage der Zuständigkeit. Da es immerhin öfter passiert, dass deutsche Kinder hier geboren werden und ihren ersten Pass vom Konsulat haben wollen, wussten wir schon mal, dass wir niemanden in Deutschland fragen müssen, sondern in eigener Zuständigkeit den Pass ausstellen können. So weit so gut.

Dann aber muss geprüft werden, wer antragsberechtigt ist. Die Sorgeberechtigten. Einen Vater hat das Kind rechtlich erstmal nicht, denn der ist nicht dabei und kann die Vaterschaft daher hier beim spanischen Standesamt nicht anerkennen, wird also auch in die Geburtsurkunde zunächst nicht eingetragen. Und die Mutter? Sie ist minderjährig und damit beschränkt geschäftsfähig und in der elterlichen Sorgeberechtigung ebenfalls eingeschränkt.

In Spanien gilt in solchen Fällen Art 157 des Codigo Civil: „Der nicht emanzipierte Minderjährige übt die elterliche Gewalt über seine Kinder mit Unterstützung seiner Eltern aus; fehlen diese, mit derjenigen seines Vormunds; in Fällen der Uneinigkeit oder Unmöglichkeit mit derjenigen des Richters“.

In Deutschland ist es ein wenig anders – da ist nämlich gemäß §§ 1673 BGB in Verbindung mit §§1773 Abs. 1, 1791c Abs. 1 BGB das Jugendamt mit der Geburt des Kindes Vormund geworden.

Welches Recht anwendbar ist, hängt ab vom „gewöhnlichen Aufenthalt des Kindes“. Aber wo ist der für ein paar Stunden altes Kind? In Spanien, weil es ja nun mal noch nie in Deutschland war? Oder in Deutschland, weil das ja irgendwie mit der Mutter zusammenhängt und diese hier nur in Urlaub war?

Die Experten sagten: letzteres. Also nimmt das Konsulat Kontakt mit dem Jugendamt auf, teilt die frohe Kunde mit und bittet um Zustimmung zur Passausstellung. Wir haben Glück – die Kollegen beim Jugendamt in Deutschland reagieren schnell, und das Kind kann seinen Pass bekommen.

Der Reiseveranstalter bemüht sich derweil um eine Ausnahme bei der Fluglinie, die eigentlich nur Kinder mitnimmt, die schon eine Woche alt sind. Mutter und Kind sind aber vom Arzt für flugtauglich befunden – wieder haben wir Glück, die Fluglinie drückt ein Auge zu, und die Familie darf vergrößert mit dem 5 Tage alten Säugling die Heimreise antreten.

Namen können wir natürlich keine nennen. Aber die kleine Erdenbürgerin heißt nun wie ihr mallorquinischer Geburtsort. Diese Idee hatte der junge Onkel der Kleinen, als die Familie noch recht ratlos auf den unerwarteten Nachwuchs blickte.

Es grüßt Sie
Ihr Deutsches Konsulat

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07 2012

Sonne, Strand und Meer …

… deswegen kommen sicher die meisten deutschen Urlauber auf diese schöne Insel, wenngleich Mallorca ja viel mehr zu bieten hat – ein Ausflug in die Tramuntana im Hochsommer ist vielleicht sogar erholsamer, als sich im Liegestuhl an der Playa de Plama grillen zu lassen. Aber jeder, wie er meint.

Es beschleicht uns nur bisweilen das Gefühl, daß manche Urlauber glauben, schon mit der Ankunft auf dem hiesigen Flughafen gleichsam zu einem runderneuerten Menschen geworden zu sein. Kaum dem deutschen Sommer (15 °C, Nieselregen) entronnen, stürzen sie sich leichtestbekleidet an die Playa,  möglichst sofort in’s Wasser und danach zum Fertigbraten auf ein Handtuch am Strand. Sonnenbrand ist noch die leichteste Folge, ein Sonnenstich mit Kopfschmerzen und starker Übelkeit aber auch eine mögliche Konsequenz, wenn man solche Temperaturen und den mallorquiner Grad der Sonneneinstrahlung einfach nicht gewohnt ist. Ärgerlich zwar, aber man verliert dabei ja nur ein paar Ferientage und nicht das Leben.

Letzteres ist aber nach unserer Zählung erschreckend oft der Fall, wenn insbesondere ältere Menschen sich plötzlich relative sportliche Höchstleistungen zumuten. Auch hier: quasi aus dem Flugzeug kommend bei 35 °C im Schatten und einer Luftfeuchtigkeit von fast 90 % Rekorde im Ausdauerschwimmen aufstellen zu wollen, ist keine gute Idee. Wenn einem der Arzt zuhause schon Herz- oder Kreislaufmedikamente verordnet hat, kann das sogar lebensgefährlich sein. Die meisten der bisher ertrunkenen Deutschen dieses Jahres waren über 65 und erst seit maximal zwei Tagen auf der Insel. Zuhause, ohne den Stress einer Flugreise, einer fremden Umgebung, des fremden Essens und eines auch für hier Lebende manchmal anstrengenden Klimas mag jemand auch als für sein Alter noch ausgesprochen gut drauf gelten. Aber wenn der rüstige Rentner im Wasser 200m vom Strand entfernt merkt, daß ihn plötzlich doch die Kräfte verlassen, er daraufhin in Panik gerät und ihn vielleicht auch noch eine der hier verschiedentlich auftretenden Unterstömungen erfaßt, dann ist es oft schnell mit ihm vorbei. Die Angehörigen in Deutschland, die von seinem Unfalltod zu verständigen das Konsulat dann die traurige Aufgabe hat, sind völlig entgeistert, denn der Verstorbene war doch trotz seiner 82 Jahre und unwesentlicher Altersbeschwerden noch so rüstig…

Das Konsulat wünscht jedem Urlauber eine schöne Zeit auf Mallorca. Tun Sie das, was Ihrer Erholung dient.  Schwimmen Sie, fahren Sie Rad, wandern Sie nach Herzenslust. Genießen Sie die andere Küche und die schöne Natur. Feiern Sie mit neu gewonnenen Bekannten auch mal in lauer Sommernacht unter südlichem Himmel bei Wein und Paella. Sie werden die Insel auch wieder verlassen. Tun Sie alles, damit das im Passagierraum des Flugzeugs geschieht. Nicht im Frachtraum im Sarg.

Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes bietet unter www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/01-Laender/Gesundheitsdienst/Uebersicht_node.html ein großes Spektrum an Hinweisen zu Gesundheitsfragen im Zusammenhang mit Auslandsreisen an. Sie stehen unter der Überschrift „…denn wir wollen, daß Sie gesund zurückkommen!“

Diesem Wunsch schließt sich an
Ihr Deutsches Konsulat

06

07 2012