Deutsche Studenten fragen – EDAR 1 antwortet

Wie funktioniert eigentlich die Wasseraufbereitung in Palma? Deutsche Studenten fragen, EDAR 1 antwortet

 

Laut Statistikamt der Balearen lebten im Jahr 2016 insgesamt 1,1 Millionen Menschen auf den vier Balearischen Inseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera. Mallorca ist mit 860.000 Einwohnern die größte dieser Inseln. Allein im Mai 2017 zählten die Balearen zusätzlich noch 1,9 Millionen Touristen, davon knapp 1,4 Millionen allein auf Mallorca. Neben den vielen Einnahmen ergibt sich daraus aber auch ein Problem: die Wasserversorgung. Die ist besonders auf Mallorca zwar sowieso schon knapp, doch durch die zusätzlichen Touristen stoßen die Versorger oft an ihre Grenzen. Aber wie kommt das saubere Wasser überhaupt in die Wasserhähne?

Zuständig für sauberes Wasser in Palma, der Hauptstadt Mallorcas und Sitz der Balearenregierung, sind die Kläranlagen EDAR 1 und EDAR 2. Seit 1971 beziehungsweise 1975 verteilen sie geklärtes Wasser an die Residenten und Touristen in Palma und näherer Umgebung. Konkret umfasst das die Versorgung der 400.000 Einwohner Palmas, der 47.500 Einwohner der umgebenden Städte Marratxí, Esporles und Bunyola und der monatlichen Touristen, was im Haupturlaubsmonat August bis zu 800.000 Menschen gleichzeitig bedeutet. EDAR 1 verarbeitet 45.000 m³ Wasser pro Tag und ist damit die kleinere der beiden Kläranlagen. Durch Erweiterungen im Jahr 2005 wurde sie aber zu einer der modernsten Kläranlagen Spaniens, die die im Klärprozess erzeugte Energie zur Selbstversorgung nutzt.

 

Die Modernität der Kläranlage und die Aktualität der Wasserversorgung erklären, warum sich eine Gruppe Geographiestudenten der Universität Gießen für die Abläufe der Kläranlage EDAR 1 besonders interessiert. Durch die freundliche Unterstützung der Pressesprecherin des Ministeriums für Innovation, Investigation und Tourismus, Alexandra Wilms, konnte der Besuch am Donnerstag, dem 07. September 2017 schließlich stattfinden. Für die Sprachmittlung stellte das deutsche Konsulat unterstützend ihre Praktikantin zur Verfügung.

Jesús Plaza, ein Mitarbeiter der Kläranlage, informierte die Gruppe in einem Vortrag über die Aufgabe und Funktionsweise der Kläranlage. Er übermittelte Wissenswertes über den Wasserkonsum und die Wasserversorgung in Palma und erklärte die einzelnen Schritte der Wasseraufbereitung. Durch interessierte Fragen der Studierenden war der Vortrag sehr lebhaft.
Anschließend führten Jesús Plaza und sein Kollege Esteban Ruiz die Gruppe über das Gelände, wo die einzelnen Phasen der Wasseraufbereitung nochmals direkt vor Ort beobachtet werden konnten. Am Ende erhielten die deutschen Studenten für eigene Analysen noch zwei Proben von ungeklärtem und geklärtem Wasser, sowie eine Probe des Abfallschlamms.

Nach drei Stunden neigte sich der Besuch schließlich dem Ende zu. Insgesamt war es ein informativer Vormittag, der den deutschen Studierenden und der Praktikantin des Konsulats die Arbeit von EDAR 1 nähergebracht hat und gezeigt hat, wie wichtig es vor allem in Palma ist, sparsam mit Wasser umzugehen.

Es grüßt Sie herzlichst
Ihr deutsches Konsulat

20

10 2017

Noch keine Pläne für Oktober?

 

Sie haben noch keine Pläne für Oktober? Dann freuen Sie sich auf unser Programm rund um Luther und die Reformation!

(Lutherstein bei Stotternheim, Erfurt; Auf dem Weg zur Wartburg.)

500 Jahre Reformation wird natürlich nicht nur in Deutschland, sondern auch auf der ganzen Welt und hier auf des Deutschen liebster Insel Mallorca gefeiert. In Zusammenarbeit mit der deutschsprachigen evangelischen Kirchengemeinde der Balearen und weiteren Partnern finden zwischen dem 03. und dem 29. Oktober viele unterschiedliche Veranstaltungen im Rahmen des Lutherjahrs 2017 statt, wo mit Sicherheit für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Los geht es mit einem Projekttag der deutschen Schule in Palma, dem Eurocampus. Die Kinder und Jugendlichen stellen zu Themen rund um Luther, seinem Werk und seinem Wirken interessante Informationen zusammen, die sich die Eltern und Lehrer ab 14 Uhr im Innenhof der Schule ansehen können.

Wer lieber „filmisch“ etwas über Luthers Leben und sein Werk erfahren möchte, sollte am 09. Oktober um 19 Uhr ins CineCiutat kommen, wo der Film „Luther“ (2003) gezeigt wird. Im Anschluss wird es darüber auch eine Gesprächsrunde mit Frau Heike Stijohann, der evangelischen Pfarrerin auf den Balearen, geben. Der Eintritt bei dieser Veranstaltung beträgt 5,00 Euro.

Der Höhepunkt der Veranstaltungsreihe bietet sicherlich der Besuch von Frau Prof. Dr. Margot Käßmann, die am 14. und 15. Oktober Palma besuchen wird. Als deutsche Sonderbotschafterin für das Lutherjahr wird sie am 14. Oktober um 11 Uhr im Club der Mallorca-Zeitung (Puerto Rico 15, 07006 Palma) aus ihrem Buch „Sorge dich nicht Seele“ vorlesen. So kommen also auch Bücherliebhaber auf ihre Kosten!

Am Abend tritt dann der deutsche Posaunenchor aus Bad Meinberg mit Bläsern der Lippischen Landeskirche um 19:30 Uhr auf. Der genaue Ort steht leider noch nicht fest. Verfolgen Sie für weitere Informationen einfach unseren Veranstaltungskalender auf unserer Homepage (http://www.spanien.diplo.de/Vertretung/spanien/de/05-palma/0-palma.html).

Ein Wiedersehen mit Frau Prof. Dr. Käßmann gibt es schon am 15. Oktober bei einem ökumenischen Festgottesdienst in der Kathedrale Palmas „La Seu“ um 16 Uhr. Zusätzlich zur Lesung von Frau Käßmann, können Sie auch wieder den Klängen des deutschen Posaunenchors lauschen. Der Bariton und Bachspezialist Tohru Iguchi untermalt den Gottesdienst musikalisch. Noch ein kleiner Tipp am Rande: wenn diese Musik Sie begeistert, bietet das Festival „Música Mallorca“, das mit diesem Konzert eröffnet wird, eine gute Gelegenheit, noch mehr davon zu hören.

Den krönenden Abschluss der Feierlichkeiten anlässlich des Lutherjahrs 2017 auf Mallorca bildet der kostenfreie Auftritt des Kammerorchesters im Auditorium der Schule San Cayetano am 29. Oktober um 18 Uhr. Am Ausgang stehen Spendenboxen. Die Einnahmen werden für unterschiedliche Projekte eingesetzt.

Ihr Terminkalender für Oktober wäre also nun gut gefüllt! Wir würden uns sehr freuen, Sie an dem einen oder anderen Tag zu den Gästen zählen zu dürfen und Ihre Wochenenden und Abende so zu bereichern.

Es grüßt Sie herzlichst,
Ihr deutsches Konsulat

28

09 2017

Das Telefonfenster oder die telefonische Erreichbarkeit

Wie oft habe ich den Satz schon gehört: „Nie ist beim Konsulat jemand zu erreichen“ oder „ immer ist besetzt“ oder „ ich habe schon x-mal versucht, Sie anzurufen, aber …..“
Diese Aufzählung könnte sicherlich beliebig fortgesetzt werden. Da eine solche, wenn auch vielleicht nur subjektiv so empfundene Situation, ganz ohne Frage ärgerlich ist, lohnt es sich, die Regeln der telefonischen Erreichbarkeit des Konsulats nochmals zu erklären und sich ins Bewusstsein zu rufen.

Vorab jedoch zu den Öffnungszeiten:
Das Konsulat hat allgemeine Öffnungszeiten für Besucher und zwar Montag bis Freitag von 09.00 -12.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung auch am Nachmittag. Für die Beantragung von Ausweispapieren (nicht jedoch Reiseausweise zur Rückkehr für Touristen) ist eine vorherige Online-Terminvereinbarung unabdingbar, Termine werden übrigens vormittags und nachmittags angeboten. Zudem ist die Pass- u. Personalausweisabholung (ohne Termin) zu den folgenden Uhrzeiten zusätzlich möglich: Montag bis Donnerstag 08.30 – 09.30 Uhr und 15.00 – 16.00 Uhr sowie Freitag 08.30 – 09.30 Uhr.

Nun aber zu der Erreichbarkeit:
Das Konsulat arbeitet montags bis freitags zwischen 08.00 und 17.00 Uhr und freitags bis 14.00 Uhr. In dieser Zeit kann man uns auch telefonisch unter der Telefonnummer 0034-971-707737 erreichen. Die Telefonzentrale verbindet Sie mit dem zuständigen Mitarbeiter. Für die Beratung und Vereinbarung von Terminen zu standesamtlichen Dingen (Namenserklärungen, Geburtsanzeigen etc.) sowie zu Terminvereinbarungen für die Konsularsprechtage auf Ibiza steht Ihnen die direkte Rufnummer 0034-971-707735 zur Verfügung.

Daraus ergibt sich aber, dass wegen des Publikumsverkehrs eine telefonische Beratung leider nicht jederzeit möglich ist und vor allen Dingen, dass die Mitarbeiter am Besten außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten zu erreichen sind! Probieren Sie es doch mal aus.

Sollte es Ihnen dennoch nicht gelingen, Ihre Frage telefonisch anzubringen, schicken Sie uns doch eine kurze Mail mit Ihrem Anliegen (info@palm.diplo.de). Wir antworten baldmöglichst.
Rückrufe können leider nur innerhalb Spaniens erfolgen.

……………und vergessen Sie nicht: Viele Ihrer Fragen werden vielleicht schon von einem der von uns auf der Webseite (www.palma.diplo.de) eingestellten Merkblätter beantwortet.

Es grüßt Sie herzlichst
Ihr deutsches Konsulat

12

07 2017

Elefand

Was haben Dickhäuter mit Rechtschreibschwäche beim Auswärtigen Amt zu suchen? Natürlich nichts! Elefand ist neben anderen Programmen und IT-Systemen das Werk der kreativen Abkürzungen des Auswärtigen Amts und steht für Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland.

Mit dem als Krisenvorsorgeliste bekanntem Erfassungssystem von Auslandsdeutschen haben sich bestimmt viele Deutsche, die auf Mallorca leben, noch nicht näher befasst. Aber schon seit langem konnten sich Deutsche, die im Ausland leben, laut § 6 Abs. 3 des deutschen Konsulargesetzes manuell in eine Deutschenliste bei ihrer zuständigen Auslandsvertretung eintragen. Die sogenannten Konsulatsmatrikel oder auch Registermatrikel dienten ganz früher dazu, die Deutschen im Ausland zu erfassen und heute vorrangig, um bei eventuellen Naturkatastrophen, kriegerischen Auseinandersetzungen oder ähnlichen Ereignissen die deutsche Bevölkerung aus dem betroffenen Gebiet schnell zu evakuieren. Dazu muss man natürlich erstmal wissen, wer sich dort überhaupt aufhält…

Das Eintragen in die „Krisenlisten“ war und ist freiwillig und jede Auslandvertretung hat dies in der Vergangenheit für sich in Papierform gemacht, es wurde nicht zentral erfasst. Seit dem 01.01.2008 ist dies durch das Passwort geschützte System Elefand nun auch online möglich. Das System der elektronischen Erfassung von Deutschen im Ausland ist wirklich sehr einfach zu bedienen und hat viele dieser manuellen Listen ersetzt und sie zudem weltweit vereinheitlicht. Nach einmaliger Registrierung mit seiner Emailadresse und einem persönlich gewähltem Passwort muss man nur noch seine Daten und die eventueller Familienangehöriger eingeben. Es kann zwischen Langzeitaufenthalt, länger als 6 Monate, oder dem Kurzzeitaufenthalt wie, Besuch, Geschäftsreise oder Tourismus, gewählt werden. Durch das ganz einfach zu bedienende System mit An- und Abmeldefunktion kann man seine Daten sehr leicht immer wieder aktualisieren. Einmal im Jahr bekommt man zusätzlich von Elefand eine automatisch generierte E-Mail zur Erinnerung, damit man seine Angaben überprüfen und gegebenenfalls auf den neuesten Stand bringen kann. Auf diese Listen haben das Konsulat bzw. die zuständige Auslandsvertretung, in deren Amtsbezirk Ihr Aufenthaltsort fällt, sowie das Auswärtigen Amt im Rahmen der datenschutzrechtlichen Bestimmungen Zugriff.

Aber wieso soll ich mich hier in eine Krisenvorsorgeliste eintragen lassen? Ich befinde mich auf Mallorca, in Europa, ca. zwei Flugstunden von Deutschland entfernt?

Neben der Erfassung von Aufenthaltsdaten und dem Eintragen von Kontaktpersonen gibt es seit dem 24.10.2012 auch die Möglichkeit über die in der Liste hinterlegte E-Mail-Adresse Information zu erhalten. Zum Beispiel werden Informationen zu anstehende Bundestagswahlen und Wahlen zum Europäischen Parlament kommuniziert oder man bekommt sonstige konsularische Hinweise mitgeteilt. So ist nun hier im Konsulat in Palma zukünftig geplant, dass diese Funktion aktiv genutzt wird, unter anderem um unseren regelmäßig erscheinenden Blog auch über Elefand zu veröffentlichen. Wie unsere treuen Leser bereits wissen, werden ca. einmal im Monat hilfreiche Tipps in Sachen Ausweispapiere, Geburt eines Kindes im Ausland oder aber auch allgemeine Themen aus Deutschland veröffentlicht. Man muss nun aber nicht fürchten, das sich dies nun zu einem weiteren der vielen Spam-Newsletter entwickelt, von denen so viele E-Mail Accounts vollgestopft sind, es handelt sich lediglich um eine digitalisierte Informationsquelle um deutsche Staatsbürger im Ausland über bestimme Neuigkeiten in Kenntnis zu setzen. Sie entscheiden mit Ihrem Häkchen, ob und welche Informationen sie wollen und können diese Newsletter Funktion auch jederzeit wieder deaktivieren.
Wie schon am Anfang gesagt, es handelt sich um ein freiwilliges Eintragen, aber wir, Ihr Konsulat in Palma, wollten Ihnen Elefand noch einmal ins Gedächtnis rufen und es Ihnen ans Herz legen, vielleicht auch für Ihre nächste Fernreise.

Schauen Sie doch für weitere Informationen auf die Webseite von Elefand, https://elefand.diplo.de/elefandextern/home/registration!form.action

Es grüß Sie herzlichst
Ihr deutsches Konsulat

25

04 2017

Clara Hammerl – von Berlin nach Pollenca

Clara Hammerl – wer war das eigentlich?

 

  • Eine herausragende Frau, ganz ohne Zweifel!
  • Eine deutschstämmige Wahlmallorquinerin, das ist bewiesen!
  • Die erste weibliche Sparkassenchefin in Spanien, das ist für die damalige Zeit beachtlich!
  • Zu Lebzeiten in Pollenca durchaus kritisch beäugt, gar angefeindet, das ist nicht jedem bekannt!

 

 

Sind Sie neugierig geworden und wollen Sie etwas mehr über die Geschichte dieser Frau wissen, lesen Sie gerne weiter. Das Konsulat hat für Sie einige Informationen in diesem Blog zusammengetragen. Vorab stellen Sie sich aber sicherlich auch die Frage, warum wir uns überhaupt in diesem Blog mit Clara Hammerl beschäftigen. Das ist schnell gesagt: Im Zuge der von der Dirección de Igualdad der Inselregierung 2016 ins Leben gerufenen vierjährigen Kampagne „ Mallorca té nom de dona“ wird jedes Jahr einer für die Geschichte der Balearen wichtigen weiblichen Persönlichkeit gewidmet. Nach dem Motto, wer nicht genannt wird, den gibt es nicht bzw. der wird vergessen, werden diesen Frauen neben vielen Veranstaltungen auch Straßen, Plätze, Wege und andere öffentliche Einrichtungen gewidmet. Dieses Jahr gilt der deutschstämmigen Inselbewohnerin Clara Hammerl. Das Konsulat unterstützt diese Kampagne sehr gerne.

Nun aber zu Clara Hammerl…. Clara Emma Fredericke Agnes Laura Hammerl wurde am 15. März 1858 im preußischen Bromberg geboren. Sie studierte und arbeitete in Berlin, unter anderem als Sprachlehrerin, wo sie 1887 auch Ihren zukünftigen Mann den Mallorquiner Guillem Cifre de Colonya kennenlernte. Nach der standesamtlichen Hochzeit im Oktober 1889 in Berlin Kreuzberg, ging das Paar im November desselben Jahres nach Pollenca. Das Leben auf der Insel war kein Zuckerschlecken für die große Blonde aus dem Norden, die unter dem Spitznamen „la giganta“ (die Riesin) bekannt war. In dem kleinen erzkatholischen Dorf Pollenca, das um diese Zeit ca. 7000 Einwohner hatte, wurde die fortschrittlich denkende Lutheranerin nicht akzeptiert und gar angefeindet.

Das Ehepaar war ein großer Befürworter der Freien Institution der Bildung. Clara Hammerl sowie ihr Ehemann waren der Auffassung, dass Bildung das grundlegende Instrument für den Fortschritt und die gesellschaftliche Gleichheit darstelle. Guillem Cifre de Colonya gründet neben einer Sparkasse in Pollenca mit Hilfe seiner Frau auch eine Schule, die den Prinzipien der freien Bildung entsprach. Das Finanzinstitut wurde mit der Intention eröffnet, auch den „kleinen Leuten“ die Möglichkeit zu geben, Eigentümer zu sein. Dies entsprach der liberalen Vorstellung, die Guillem Cifre sowie seine Frau Clara hatten. Die Preußin war eine fleißige und harte Arbeiterin. Nicht nur half sie beim Aufbau der Institutionen ihres Mannes, auch auf den Feldern der Familie arbeitet sie mit. Immer in weiß gekleidet; dies entsprach ihrer Auffassung von Reinheit und Ordnung. Was natürlich großen Gesprächsstoff in der kleinen Gemeinde lieferte, in dieser ihr Bild auch bis nicht vor allzu langer Zeit immer noch eher negativ übermittelt wurde.

Clara und Guillem hatten zwei Kinder, Antonia und Guillem. Im Familienleben des Paares gab es aber derbe Rückschläge durch mehrere Fehlgeburten und Kindstote. Diese privaten Tragödien hinterließen ihre Spuren vor allem bei Guillem. Die schweren Depressionen, die er bekam, wurden irgendwann so schlimm, dass er 1908 Selbstmord beging. Nach dem Tod ihres Mannes führte Clara Hammerl sein Lebenswerk weiter und so wurde sie von 1908 bis 1916 Chefin der Colonya Caixa Pollenca und damit die erste Frau in der Führung eines Finanzinstitutes in ganz Spanien. Dennoch wurde sie in Pollenca nie richtig akzeptiert. Die Frau, die ihrer Zeit zwei Schritte voraus war, starb am 9. Oktober 1931 in Argentinien, nachdem sie ihrer Tochter dahin gefolgt war, da sie in Pollenca nach dem Tod ihres Mannes und der ordentlichen Übergabe der Bank sowie der Schule nicht mehr viel hielt.

Die Schule in Pollenca wurde im Verlauf des spanischen Bürgerkrieges geschlossen, aber die Colony Caixa Pollenca existiert noch heute. Der Historiker Pere Salas Vives hat kürzlich eine Biografie über das Leben der Clara Hammerl in katalanischer Sprache verfasst. Das tat er, nachdem er sich intensiv mit dem Leben ihres Mannes Guillem beschäftigte und dabei erkannte, dass dem ausgesprochen großen Vorbild weiblicher Stärke an seiner Seite kein Tribut gezollt wurde. Das Buch Carla Hammerl – una dona de paraula- erschien 2016 in Pollenca. Als Symbol gegen das Vergessen und als Zeichen für junge Mallorquinerinnen und Mallorquinern, dass es auch weibliche Vorbilder in der Geschichte ihrer Insel gibt, wurden bereits in Génova eine Straße, nämlich  die Carrer Clara Hammerl, sowie die Schule IES Carla Hammerl in Pollenca mit dem Namen dieses starken Vorbilds versehen. Dies ist nicht nur eine Geschichte von einer herausragenden Frau in der mallorquinischen Geschichte sondern zeigt auch wie international und weltoffen Mallorca schon vor langem und lange vor dem Massentourismus war.

Sollten Sie neugierig geworden sein, schauen Sie doch gelegentlich auf unsere Website www.palma.diplo.de und die Veranstaltungshinweise. Gerne werden wir Sie über die 2017 geplanten Veranstaltungen im Bezug auf diese bewundernswerte Frau informieren.

Es grüßt Sie herzlichst
Ihr deutsches Konsulat

23

03 2017

Wie ist das eigentlich mit dem Sorgerecht……

Sie haben in Deutschland als ledige Mutter ein Kind bekommen und sind beide gerade nach Mallorca umgezogen. Bei der Anmeldung in der Schule, bei der Verlängerung des Kinderreisepasses, bei einer ärztlichen Behandlung….überall werden Sie, ganz anders als in Deutschland, nach der Unterschrift des Vaters gefragt. Das ist neu, das verwundert Sie und irgendwie macht es Ihnen auch etwas Sorgen, denn zu dem Vater Ihres Kindes haben Sie doch gar keinen Kontakt. Unterhalt hat er nie bezahlt, obwohl er nach der Vaterschaftsanerkennung zu dem Kind in der Geburtsurkunde steht. Nun, mit Ihnen und auch mit dem Kind hat er nichts zu tun und bisher sind Sie damit auch ganz gut zu Recht gekommen.

Soll das jetzt alles anders sein, nur weil Sie nach Mallorca umgezogen sind?

Wenn Sie nun neugierig geworden sind und mehr wissen wollen, wie das mit dem Sorgerecht denn grundsätzlich so ist, dann lesen Sie jetzt bitte weiter. Das Konsulat hat die wesentlichen Dinge für Sie zusammengestellt.

Was bedeutet elterliche Sorge im deutschen Recht?
Im deutschen Recht setzt sich die elterliche Sorge aus der Personensorge, Sorge für die Person des Kindes, und der Vermögenssorge, Sorge für das Vermögen des Kindes, zusammen. Zu der Personensorge gehört auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Bei Anwendbarkeit deutschen Rechts sind Eltern, die nicht miteinander verheiratet sind, nur dann gemeinsam sorgeberechtigt, wenn sie in Form einer notariellen Urkunde erklärt haben, dass sie die elterliche Sorge gemeinsam ausüben wollen (Sorgeerklärung). Ist dies nicht der Fall, dann übt die Mutter die elterliche Sorge alleine aus.

Wie sieht das im spanischen Recht aus?
Grundsätzlich unterscheidet das spanische Recht nicht zwischen verheirateten und unverheirateten Elternpaaren. Die elterliche Sorge steht grundsätzlich immer beiden Elternteilen gemeinsam zu. Als spanische Rechtsbegriffe tauchen die Begriffe Patria Potestad und Guardia y Custodia auf. Ohne auf rechtliche Feinheiten eingehen zu wollen, stellt die Patria Potestad die elterliche Sorge in ihrer Gesamtheit dar und die Guardia y Custodia eher die tatsächliche elterliche Sorge. Nach Trennung oder Scheidung verbleibt in der Regel die Patria Potestad bei beiden Elternteilen.

Welches Recht ist nun für das Sorgerecht meines deutschen Kindes anwendbar, wenn ich auf Mallorca lebe?
Das am 1.1.2011 in Kraft getretene Übereinkommen über die Zuständigkeit, das anzuwendende Recht, die Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenarbeit auf dem Gebiet der elterlichen Verantwortung und der Maßnahmen zum Schutz von Kindern hat zu einer Veränderung bei der Prüfung der Frage, wer die elterliche Sorge inne hat, geführt, zumal nunmehr direkt in die Sachnormen des Staates verwiesen wird, in dem das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Bei gewöhnlichem Aufenthalt des Kindes in Spanien kommen immer die spanischen Sachnormen zur Anwendung, die auch den unverheirateten Eltern automatisch die gemeinsame Sorge zuweisen, sobald durch gemeinsame Anzeige der Geburt des Kindes durch beide Eltern und Eintragung in der Geburtsurkunde der Vater des Kindes feststeht.

Wie ist das, wenn ich mit meinem Kind umziehe, wenn sich also der gewöhnliche Aufenthalt ändert?
Mit dem Wechsel des gewöhnlichen Aufenthalts des Kindes in ein anderes Land tritt ein Statutenwechsel ein, welches in dem genannten Abkommen auch geregelt ist und zwar wie folgt: eine bisher begründete elterliche Sorge nach dem Recht des Staates des bisherigen gewöhnlichen Aufenthalts besteht nach dem Wechsel des gewöhnlichen Aufenthalts in einen anderen Staat fort. Konkret bedeutet das, dass die in Spanien begründete gemeinsame Sorge von nicht miteinander verheirateten Eltern auch bei Umzug des Kindes von Spanien nach Deutschland fortbesteht. Umgekehrt regelt das Abkommen, dass sich bei Wechsel des gewöhnlichen Aufenthalts des Kindes die Zuweisung der elterlichen Sorge kraft Gesetzes an eine Person, die diese Verantwortung bisher nicht hat, nach dem Recht des Staates des neuen gewöhnlichen Aufenthalts bestimmt. Das heißt z.B. wenn ein nicht verheiratetes Elternpaar, das in Deutschland keine Sorgeerklärung abgegeben hat, mit dem Kind von Deutschland nach Spanien zieht, dass in Spanien nicht mehr die ledige Mutter die Alleinsorge hat, sondern die Eltern gemeinsam. Dies tritt geleichermaßen auch ein, wenn eine ledige Mutter mit ihrem Kind alleine und ohne Kenntnis des bisher nicht sorgeberechtigten Vaters nach Spanien verzieht. Ein inoffizieller Leitsatz lautet: Das Kind kann bei einem Umzug, also Statutenwechsel, keinen Sorgeberechtigten verlieren, sondern wenn überhaupt nur einen Sorgeberechtigten hinzugewinnen.

Was sagt eine Negativbescheinigung von einem deutschen Jugendamt tatsächlich aus?
Bei bisherigem gewöhnlichem Aufenthalt des Kindes in Deutschland und somit Anwendbarkeit deutscher Sachnormen stellt das Jugendamt des inländischen Wohnortes eine Bescheinigung darüber aus, dass ihm keine Sorgerechtserklärung mitgeteilt wurde, welche kraft Gesetz beim für den Wohnort des Kindes zuständigen Jugendamt registriert werden muss. Zeitgleich wird damit bestätigt, dass die elterliche Sorge der Mutter demzufolge alleine zusteht. Diese Bescheinigung wird unter bestimmten Voraussetzungen ausgestellt und berücksichtigt nicht einen eventuellen Umzug nach Spanien und die sich daraus ggfs. ergebenden Änderungen hinsichtlich der elterlichen Sorge des Vaters. Hierüber sind sich die Betroffenen häufig nicht im Klaren und legen diese, inzwischen inhaltlich falsche, Negativbescheinigung auch weiterhin in Spanien als Nachweis der alleinigen elterlichen Sorge vor.

Wer ist antragsberechtigt im Passverfahren?
Antragsberichtigt für ein minderjähriges Kind sind die Sorgeberechtigten oder um den spanischen Rechtsbegriff wieder aufzunehmen, diejenigen, die die Patria Potestad innehaben. Die Guardia y Custodia reicht nicht aus, um einen Pass, auch nicht einen Pass als Passersatz, für ein minderjähriges Kind ohne Zustimmung des anderen Elternteils zu beantragen. Bei der Beantragung eines Personalausweises hat der Gesetzgeber die Antragsberechtigung anders definiert, hier ist der Bürger schon mit 16 Jahren selbst antragsberechtigt. Eine Negativbescheinigung eines deutschen Jugendamts als Nachweis der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter kann im Passantragsverfahren aufgrund der obigen Ausführungen selbstverständlich nicht anerkannt werden, sofern ein gewöhnlicher Aufenthalt in Spanien vorliegt.

Sollten Sie Fragen zur elterlichen Sorge im allgemeinen und konkret auch zur Passantragsberechtigung haben, melden Sie sich gerne mit den entsprechenden Unterlagen bei Ihrem Konsulat
(rk-10@palm.diplo.de, Tel.: 971707735)

Es grüßt Sie herzlich
Ihr deutsches Konsulat

09

02 2017

Bundestagswahl 2017


Ausblick auf das Jahr 2017 oder es wird wieder eine Bundestagswahl geben……..

Das Konsulat und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befinden sich im Endspurt des Jahres 2016. Die letzten Termine für die Beantragung eines Ausweispapiers wurden gebucht. Hier wird noch eine Namenserklärung vorbereitet und auch noch die eine oder andere Unterschriftbeglaubigung vorgenommen, aber auch das Jahr 2017 kündigt sich bereits im Arbeitsablauf des Konsulats an.

Hervorzuheben ist dabei die im Herbst 2017 stattfindende Bundestagswahl. Immer öfter kann man in den deutschen Medien die Haltung und Positionierung der bundesdeutschen Politiker hierzu finden. Auch die Bundesparteitage der einzelnen deutschen Parteien nehmen Bezug auf dieses anscheinend noch in weiter Ferne liegende Ereignis. Auch im Konsulat machen wir uns darüber Gedanken und so kann man die ersten Informationen auch schon auf der Webseite abrufen, siehe auch nachfolgender Link: (http://www.konsularinfo.diplo.de/Vertretung/konsularinfo/de/06/Wahl/WohnsitzAusland.html).

Kernaussage der Information ist, dass auch Deutsche, die sich ständig außerhalb der Bundesrepublik Deutschland aufhalten und über keinen Wohnsitz im Bundesgebiet verfügen, die Möglichkeit haben, an Bundestagswahlen teilzunehmen und zwar in Form der Briefwahl.

Dabei ist wahlberechtigt der Auslandsdeutsche ohne deutschen Wohnsitz, sofern er
a) entweder nach Vollendung des 14. Lebensjahres (das heißt, vom Tage des 14. Geburtstages an) mindestens drei Monate ununterbrochen in der Bundesrepublik Deutschland gelebt hat und dieser Aufenthalt nicht länger als 25 Jahre zurück liegt (§12 Absatz 2 Satz 1 Ziffer 1 BWG) oder
b) wenn er aus anderen Gründen persönlich und unmittelbar Vertrautheit mit den politischen Verhältnissen in der Bundesrepublik Deutschland erworben hat und von den Wahlen betroffen ist (§12 Absatz 2 Satz 1 Ziffer 2 BWG).

Unabhängig davon, ob Sie nach Punkt a) oder Punkt b) wahlberechtigt sind, müssen Sie sich zur Teilnahme an der Bundestagswahl in ein Wählerverzeichnis eintragen lassen. Entweder ist dies über die Gemeinde, wo Sie zuletzt in Deutschland gemeldet waren, zu erledigen. Oder, sofern Sie nie in Deutschland gemeldet waren, über die Gemeinde, mit der Sie sonst persönlich am engsten verbunden sind. Das Antragsformular für die Eintragung in ein Wählerverzeichnis zur Wahl des 19. Deutschen Bundestags nebst einem Merkblatt kann zeitnah von der Internetseite des Bundeswahlleiters (www.bundeswahlleiter.de ) heruntergeladen und direkt am Computer ausgefüllt werden. Da die darin enthaltene eidesstattliche Versicherung persönlich zu unterschreiben ist, muss es ausgedruckt und (gegebenenfalls mit weiteren Unterlagen) auf dem Postweg an die zuständige Gemeinde gesandt werden.

Auch das Konsulat in Palma hat Antragsformulare bestellt und stellt diese zur Verfügung. Sobald diese eingehen, werden wir dies durch einen Aushang bekanntgeben. Auf Wunsch schicken wir Ihnen diese dann auch gerne postalisch zu. Der Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis muss bis spätestens zum 21. Tag vor der Wahl bei der zuständigen Gemeinde in Deutschland eingehen. Erst nach Eintragung in das Wahlregister wird Ihnen der Wahlschein übersandt, der dann auch noch rechtzeitig und vor der Wahl wieder bei der Gemeinde eingehen muss, wo Sie im Wahlregister eingetragen sind.

Sie kennen die manchmal langen Postlaufzeiten zwischen Deutschland und Spanien, also verfolgen Sie bitte die Informationen über die Bundestagswahl 2017 aufmerksam und beantragen Sie die Eintragung in das Wahlregister so früh wie möglich. Nur so sichern Sie sich Ihre Möglichkeit an der nächsten Bundestagswahl mit Ihrer Stimme auch wirklich teilzunehmen.

Das Konsulat wird Sie 2017 frühzeitig über das für die Wahl festgelegte Datum sowie über den Verfahrensablauf informieren. Dies geschieht über die Homepage, einen Aushang im Konsulat und die lokale Presse.

Bis dahin wünscht Ihnen das Team des Deutschen Konsulats in Palma frohe Festtage und einen guten Start in das neue Jahr 2017!
Es grüßt herzlich
Ihr Deutsches Konsulat

20

12 2016

In 8 Schritten zum neuen Ausweispapier – eine handliche Bedienungsanleitung!

Ausweis Palma

Schritt 1:
Lesen Sie bitte zuerst aufmerksam das Merkblatt zur Beantragung eines Deutschen Ausweisdokuments durch.
(http://www.spanien.diplo.de/Vertretung/spanien/de/00-Buergerservice/passangelegenheiten/ePass/hb-epass.html)

Schritt 2:
Bereiten Sie bitte alle erforderlichen Unterlagen vor, s. unter vorzulegende Unterlagen. Ansonsten riskieren Sie, dass der unvollständige Antrag leider nicht angenommen werden kann. Im Zweifel kontaktieren Sie vorab das Konsulat telefonisch oder per Mail. Denken Sie bitte auch an das Passbild und die Biometrieanforderungen, siehe auch http://www.spanien.diplo.de/contentblob/4845404/Daten/6949000/ddfotomustertafel.pdf

Schritt 3:
Füllen Sie bitte das Antragsformular, welches auf der Website eingestellt ist, vorab vollständig aus. (http://www.spanien.diplo.de/contentblob/4845222/Daten/6948968/ddantragpass.pdf)

Schritt 4:
Vereinbaren Sie bitte online einen Termin zur persönlichen Antragstellung. (http://www.spanien.diplo.de/Vertretung/spanien/de/00-Buergerservice/terminvereinbarung/HB-Terminvereinbarung.html).
Bitte beachten Sie, dass je nach Jahreszeit Wartezeiten auf einen Termin, derzeit ca. 2 Wochen, auftreten können.

Schritt 5:
Kurz vor dem vereinbarten Termin erhalten Sie nochmals und zwar elektronisch eine Terminerinnerung. Sollten Sie den Termin nicht wahrnehmen können, stornieren Sie ihn – im Interesse anderer Antragsteller – bitte umgehend online oder telefonisch.

Schritt 6:
Erscheinen Sie zu dem Termin pünktlich und bringen das ausgefüllte Antragsformular, alle erforderlichen Unterlagen und die erforderliche Gebühr mit (bar oder mit Visa/Mastercard-Kreditkarte).

Schritt 7:
Bitte haben Sie bei der Antragstellung Geduld und Verständnis, sofern es einmal zu unvorhergesehenen Wartezeiten kommen sollte oder aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten und einer evtl. hohen Besucherzahl der Geräuschpegel im Warteraum unangenehm ist bzw. Sie nicht die gewünschte Diskretion erfahren können. Unsere Mitarbeiter/Innen sind auch dann stets bemüht, Ihren Antrag zuvorkommend und schnellstmöglich zu bearbeiten.

Schritt 8:
Nach erfolgreicher Antragstellung erhalten Sie eine Quittung über die bezahlte Gebühr. Nach der erforderlichen Bearbeitungszeit (beim biometrischen Pass ca. 4-6 Wochen) erhalten Sie per Mail eine Abholnachricht. Bitte bringen Sie bei der Abholung Ihr bisheriges Ausweispapier mit.

Es ist geschafft! Und Sie müssen zugeben, es war eigentlich keine große Sache und mit ein bisschen Vorarbeit auch völlig unbürokratisch.
Nun sind Sie stolzer Besitzer eines neuen Ausweispapiers – vielleicht notieren Sie sich einfach vorausschauend den Gültigkeitsablauf in Ihrem Kalender, damit Sie nichts verpassen 🙂

Es grüßt Sie
Ihr deutsches Konsulat

09

11 2016

Wie alles begann – eine ehemalige Kollegin erzählt

DAMALS – 25 Jahre im Konsulat am Paseo del Borne

Gisela Schütten-Galiana in den 80er Jahren

Gisela Schütten-Galiana in den 80er Jahren

 

Vielleicht war es Intuition, vielleicht Zufall, vielleicht Bestimmung. Tatsache ist, dass ich irgendwann aus Anlass der Verlängerung meines Reisepass in der damaligen Außenstelle Palma de Mallorca des Generalkonsulats Barcelona vorsprach und am 16.4.1974 dortselbst als deutsche „Ortskraft“ eine recht interessante, lehrreiche Etappe meines Lebens begann.

Ich kam eigentlich aus einer ganz anderen beruflichen Welt.

In Hamburg war ich in den fünfziger Jahren ein junge Sekretärin im „Ibero-Amerika Haus“, damals direkt zwischen Dammtorbahnhof und Außenalster gelegen. Danach, praktisch gleich nach meiner Eheschließung 1960 mit dem Mallorquiner Sebastián, gehörte ich hier in Palma 12 Jahre zum Staff der belgischen Fluglinie Sabena am Flughafen sowie im Stadtbüro in der Avda. Jaime III, und wie gesagt, bis kurz vor Beginn im Konsulat war ich Direktionssekretärin in der Zentrale der inzwischen nicht mehr bestehenden Hotelkette „Iberotel“.

Vieles, vieles hat sich geändert, wir leben in anderen Zeiten, derzeit in Zeiten der Besorgnis und Ungewissheit. Auch das Konsulat ist seit einigen Jahren nicht mehr am Paseo del Borne, und in Anbetracht der vergangenen Jahre logischerweise auch nicht mehr meine ehemaligen Vorgesetzten und Kollegen.

An meinem ersten Arbeitstag 1974, so erinnere ich mich immer wieder, wies mich der damalige Leiter der Außenstelle Peter Poddey in mein Büro ein, kam nach einigen Minuten mit einem dicken blauen Archivband zurück, es mögen auch zwei gewesen sein, und meinte „schauen Sie mal hinein, was alles so anfällt in einem Konsulat, abgesehen von Pass- und Visa-Angelegenheiten, Legalisierungen usw.“.

Ja, da waren Geschichten, die ich nie vermutet hätte…. Mir war sofort klar, dass ich ab sofort den Tourismus, ja sogar das Leben, aus einer anderen Perspektive, gewissermaßen „jenseits der Barriere“ kennenlernen würde. Sterbefälle, Verhaftungen, Vermisste, Krankheitsfälle, Sozialhilfe, Heimführungen usw. Nicht zu vergessen, dass das Leben in Spanien in den Jahren nicht so war wie heutzutage, und viele Angelegenheiten anders gesehen und gehandhabt wurden.

Hinsichtlich meines Privatlebens, als ich meine Tätigkeit in der Außenstelle Palma de Mallorca aufnahm, hatten wir schon eine 12jährige Tochter Susana María. Und wie es der Zufall manchmal will, im Jahre 1975, fast eineinhalb Jahre nach Beginn meiner „Konsulatszeit“, wurde unser Sohn Sebastián Alejandro geboren. Eine Veränderung zieht die andere nach sich, in meinem Fall eine sehr glückliche Veränderung…

Im Übrigen während am 23.02.1981 in Madrid der fehlgeschlagene Putschversuch stattfand, waren wir im Konsulat „on duty“ und konnten mittels eines kleinen Transistors von den Geschehnissen hören. – Ebenso haben wir im Konsulat alle Nachrichten verfolgt im Zusammenhang mit der Öffnung der Mauer in Berlin am 9. November 1989 und die nachfolgend bewirkte deutsche Einheit am 3. Oktober 1990.

Mit den Jahren wurde der Arbeitsanfall immer grösser, die Besucher nahmen zu, immer mehr Pässe oder Personalausweise gingen verloren oder wurden gestohlen, und es galt, viele Reiseausweise als Ersatz zur Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland auszustellen. Abgesehen von der Entgegennahme und Bearbeitung von Pass-, Kinderausweis- und Reiseausweis-Anträgen bis zur Unterschriftsreife hatte ich in der Registratur die Verwaltung des gesamten Schriftgutes eigenverantwortlich zu bewältigen. Und bei Abwesenheit wegen Urlaub oder Krankheit der entsandten Fremdsprachensekretärin wurde ich auch mit der Vertretung beauftragt. Alles habe ich gleich gern getan. Ich habe viel gelernt, in beruflicher, aber ebenso in menschlicher Hinsicht.

Auch war es immer wieder eine Freude, die Residenten zu begrüßen und ihnen bei Pass-Angelegenheiten usw. behilflich zu sein. Immer in einer diskreten, aber freundlichen Atmosphäre. Im Übrigen wurden damals die Reisepässe noch handschriftlich ausgestellt, wenn möglich in „Schönschrift“….

Die große Umstellung kam dann Ende der achtziger/Anfang der neunziger Jahre mit Einführung der Informatik. Ganz besonders gern erinnere ich mich an die Kurse, zu denen ich 1992, 1993 und 1996 im Auswärtigen Amt in Bonn eingeladen wurde. Die Informatik hat mich von Anfang an interessiert und begeistert.

Auf dem Gebiet der „gesellschaftlichen“ Ereignisse erinnere ich mich besonders an den Besuch des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ 1990 und natürlich auch an die kleinen Geburtstags-, Ankunfts- oder Abschiedsfeiern im Kollegenkreis. Im Laufe der 25 Jahre habe ich viele entsandte Konsuln, Vizekonsuln und Sekretärinnen kommen und gehen sehen bedingt durch die Versetzungen. An jede und jeden erinnere ich mich gern. Manches Mal kommt es mir vor, als ob nicht so viele Jahre vergangen wären…..

Im April 1999, nach 25 Jahren Dienstzeit im Konsulat am Paseo Borne in Palma, erhielt ich stolz die Dankurkunde als Anerkennung für die „geleisteten treuen Dienste“, so wie es seitens des Auswärtigen Amts üblich ist.

Meinerseits war ich mir im Klaren darüber, dass vor Ende des Jahrhunderts, konkret nach Erreichen des 63. Lebensjahres am 2. Oktober, für mich der Augenblick des Abschieds aus dem beruflichen Leben gekommen war.

 

Mit diesen Erinnerungen von Frau Gisela Schütten-Galiana grüßt Sie

Ihr Deutsches Konsulat
(heute als tatsächliches Konsulat am Paseo Marítimo)

 

Damalige Außenstelle Palma de Mallorca im Edificio Reina

Damalige Außenstelle Palma de Mallorca im Edificio Reina

01

08 2016

Der Generationenschnitt

Staatsangehörigket

 

Der Generationenschnitt………..

Man könnte sich ja nun fragen, ob es sich hierbei um ein besonderes Rezept zum Nachkochen handelt.
Auch könnte man denken, dass in diesem Blog nun über Fragen der Rente diskutiert wird.
Nichts davon ist hingegen zutreffend.

Vielmehr geht es um Fragen der deutschen Staatsangehörigkeit, und um genau zu sein, um die Frage, wer mit Geburt einen deutschen Pass erhält und wer nicht.

Bis zum 31.12.1999 konnte man mit Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit nur erwerben, wenn man das Kind eines deutschen Elternteils war. War entweder die Mutter oder aber der Vater Deutscher, dann ging die deutsche Staatsangehörigkeit in der Regel automatisch auf das neugeborene Kind über. Dabei war es unerheblich, wo auf dieser Welt das Kind auf die Welt gekommen ist, denn auf den Geburtsort kam es bis dahin nicht an.

Zum 01.01.2000 kam dann eine ganz neue Möglichkeit des Erwerbs dazu. Seit diesem Tag erwarb – unter bestimmten Voraussetzungen – auch das Kind ausländischer Eltern, wenn es denn in Deutschland geboren war, die deutsche Staatsangehörigkeit mit Geburt. Damit wurde zum ersten Mal, wie übrigens in den klassischen Einwanderungsländern, der Tatsache Rechnung getragen, dass ein Kind, das in Deutschland geboren wird, auch anschließend in einer deutschen Gesellschaft aufwachsen wird. Neben der Sprache im Elternhaus wird es auf alle Fälle in Kindergarten und Schule Deutsch lernen und reden, und seine Sozialisation wird sehr viel mit Deutschland zu tun haben. Es wird deutsch sein.

Diese absolute Neuerung bei dem Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit hat, um wie bei einer Waage die Balance zu halten, auch eine Neuerung bei den möglichen Verlustgründen der deutschen Staatsangehörigkeit mit sich gebracht. Es wurde nämlich gleichzeitig gesetzlich festgesetzt, dass bei Familien, die nicht mehr in Deutschland leben, die deutsche Staatsangehörigkeit nur noch eingeschränkt von den Eltern an das Kind weitergegeben wird.

Ein Kind, das einen deutschen Elternteil hat, der selber schon im Ausland geboren wurde und zwar nach dem 31.12.1999, bekommt bei Geburt im Ausland nur noch dann die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn die Eltern innerhalb von einem Jahr nach Geburt des Kindes diese Geburt auch in Deutschland registrieren lassen.

Die Tatsache, dass ein Kind der 2ten Generation von Auslandsdeutschen nicht mehr automatisch mit Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit erwirbt, nennt sich Generationenschnitt und ist etwas, das erst in den kommenden Jahren seine rechtliche Wirkung entfalten wird.

Hierzu haben wir ein Merkblatt erstellt (Nichterwerb der deutschen Staatsangehörigkeit für im Ausland geborene Kinder deutscher Eltern nach § 4 Abs. 4 Satz 1 i.V.m. Satz 3 Staatsangehörigkeitsgesetz), das die Einzelheiten zu dem Thema im Detail erläutert. Es ist lesenswert und vielleicht für Sie und/oder Ihre Kinder in der Zukunft sehr wichtig!

Haben Sie Fragen zu dem Thema, bitte wenden Sie sich an Ihr deutsches Konsulat, Telefon der zuständigen Bearbeiterin: 971 707735

Es grüßt herzlich,
Ihr deutsches Konsulat

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05 2016